Dritte Orte
Worum es geht
Demokratie lebt von Begegnungen und gegenseitigem Austausch. Dritte Orte – Begegnungs- und Kulturräume jenseits von Wohnung und Arbeit – sind in diesem Zusammenhang mehr als Freizeitangebote: Sie bilden eine essentielle Infrastruktur für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine wachsende Allianz aus Stiftungen, Kommunen und Netzwerken wie z.B. der Robert Bosch Stiftung fordert deshalb: mehr Dritte Orte, und bestehende dauerhaft sichern.
Die Praxis zeigt aber: Räume und Projektförderungen allein schaffen keine Grundlage für langfristig angelegte Dritte Orte. Was es braucht, ist die Menschenpower, die Orte am Laufen hält. Viele scheitern dabei nicht an Ideen, sondern an den »harten« Fragen von Trägerschaft und Wirtschaftlichkeit. Genau hier setzen wir gemeinsam mit Euch an.
Der Werkraum richtet sich an Regionale Gestalter:innen aus Kommunen, Zivilgesellschaft und lokaler Wirtschaft, die in den nächsten 12 Monaten spürbare Fortschritte beim Auf- oder Ausbau eines Dritten Ortes vorantreiben wollen: beispielsweise einen neuen Dritten Ort ins Leben zu rufen, einen bestehenden zu verstetigen oder einen Ort nach Ende der Projektförderung auf eigene Beine zu stellen. Dritte Orte entstehen dort, wo Bürgerschaft, Verwaltung und Wirtschaft ihre Ressourcen bündeln. Deshalb setzen wir bewusst auf gemischte Teams pro Ort.
Der Werkraum passt zu Euch, wenn Ihr:
- einen konkreten Ort mit ersten Nutzungsideen mitbringt
- ein belastbares lokales Team über Sektorengrenzen hinweg aufbauen möchtet
- in 12 Monaten spürbaren Wandel vorantreiben wollt
Jetzt bewerben & dabei sein!
1. Trägerschaft klären: Wer trägt Euren Ort – rechtlich, finanziell, personell – so, dass er auch in fünf Jahren noch steht? Welche hauptamtlichen Strukturen braucht er, damit Begegnungsarbeit nicht am Ehrenamt zerrieben wird?
2. Wirtschaftlichkeit sichern: Wie kommt Ihr weg von reiner Projektfinanzierung hin zu einem stabilen, hybriden Modell, das die Kommune nicht dauerhaft allein trägt?
3. Lebhafte Nutzung verankern: Wie wird aus Eurem offenen Raum ein Ort, der langfristig von unterschiedlichsten Menschen gewollt, mitgestaltet und verteidigt wird – und der zugleich seine Umgebung im Ortskern positiv prägt?
Vorbilder
Die folgenden Felder zeigen, welche Bandbreite möglich ist. Sie sind keine Blaupausen, sondern Inspiration. Kreative eigene Ansätze sind ausdrücklich willkommen.
Verantwortung verteilen: Trägerschaft auf viele Schultern legen
André Kranich stellt im Flechtwerk Almerswind (Thüringen) eigene Räume, Eigenkapital und sein Netzwerk zur Verfügung – mit dem expliziten Ziel, Menschen in Verantwortung zu bringen, statt sie zu bespielen. Über regionale Zusammenschlüsse und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit entstehen tragende Strukturen, die nicht an einer Einzelperson hängen – ein Beispiel dafür, wie aus losen Initiativen verlässliche Trägergeflechte werden.
Sektoren verschränken: Kultur als Werkzeug der Stadtentwicklung
Anneke Richter und das Team von heimatBEWEGEN (Ballenstedt, Sachsen-Anhalt) schaffen Begegnungsräume, in denen sich Kultur, Sozialarbeit und Stadtentwicklung verschränken: Künstlerische Formate übersetzen regionale Herausforderungen – Leerstand, Identität, Beteiligung – in Erfahrungen zum Hören, Fühlen, Begreifen und Mitmachen.
Am Ende der 12 Monate habt ihr belastbare Antworten auf unsere drei Leitfragen – und seid einen sichtbaren Schritt weiter: beispielsweise indem Ihr ein geklärtes Trägermodell, ein tragfähiges Finanzierungskonzept, einen laufenden Testbetrieb oder einen verstetigten Ort entwickelt habt. Außerdem werdet Ihr Teil eines überregionalen Peer-Netzwerks von Gestalter:innen, die vor ähnlichen Fragen stehen. Nutzt das Netzwerk, um gemeinsam voneinander zu lernen.
Begleitet werdet ihr durch das Team aus Laura Hüneburg, Projektmanagerin in der Allianz der Gestalter:innen, und dem Fellow Frederik Fischer, Neulandia. Um das Thema Dritte Orte herum gibt es ein starkes Netzwerk aus Fachexpert:innen wie Rainald Manthe, Netzwerke wie das Netzwerk Zukunftsorte oder Cowork-Land sowie regionale Gestalter:innen, die bereits selbst sehr erfolgreich dritte Orte bespielen, die wir punktuell in die Arbeit im Werkraum einbeziehen werden.
Bewerbt Euch
Bei der Bewerbung geht es nicht darum, dass Euer Vorhaben ausgereift oder innovativer ist als andere. Vielmehr ist uns wichtig, dass Ihr motiviert seid, gemeinsam mit Eurer Gruppe an Lösungen zu arbeiten und voneinander zu lernen.
Anmeldeformular bis 31. Mai: Erzählt uns über Euer geplantes Vorhaben in unserem kurzen Anmeldeformular. Gerne bald, denn die zweite Bewerbungsrunde findet bereits im Mai statt.
Kennenlerngespräche 15. Mai bis 12. Juni: Wenn Euer Vorhaben überzeugt hat, laden wir Euch zu einem kurzen digitalen Kennenlernen ein. Dabei klären wir gegenseitige Erwartungen und offene Fragen.
Teilnahmebestätigung bis 16. Juni: Anfang Juni koordinieren wir die Zusammensetzung der Werkräume und geben Dir bis Bescheid, ob Du dabei bist.