Gesundheitsregion
Worum es geht
Gesundheit ist die Grundlage von allem – und fehlt doch genau dort, wo viele Menschen leben. In ländlichen Regionen und strukturschwachen Stadtteilen ist gute Versorgung längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Prävention und niedrigschwellige Unterstützung sind in den meisten Kommunen kaum strukturell verankert. Zu oft kommen Menschen erst ins System, wenn aus einer Belastung längst eine Diagnose geworden ist.
Viele wirkungsvolle Antworten entstehen nicht in Berliner Ministerien, sondern direkt vor Ort. Kommunen können Räume bereitstellen, Netzwerke moderieren, niedrigschwellige Anlaufstellen schaffen und lokale Akteur:innen zusammenbringen, die sonst nebeneinander arbeiten. Nicht indem die Gemeinde alles übernimmt, sondern indem sie die richtigen Bedingungen schafft, damit Menschen füreinander da sein können.
Der Werkraum richtet sich an Menschen aus Kommunen, Gesundheitsversorgung und Zivilgesellschaft, die vor Ort eine Versorgungslücke schließen, Prävention strukturell verankern oder Akteur:innen zusammenbringen wollen, die bisher nebeneinander arbeiten. Bewerbt Euch gerne im Team, am besten über Sektorengrenzen hinweg. Denn gute Gesundheitsregionen entstehen nicht durch einen Beschluss, sondern durch Menschen, die gemeinsam anpacken.
Der Werkraum passt zu Euch, wenn Ihr:
- eine konkrete Versorgungslücke oder Präventionsaufgabe angehen wollt
- ein lokales Team über Sektorengrenzen hinweg aufbaut
- in 12 Monaten Wandel vorantreiben wollt
Jetzt bewerben & dabei sein!
1. Zugang sichern und erhalten: Wie stellen wir sicher, dass alle Menschen vor Ort, unabhängig von Mobilität, Sprache oder sozioökonomischem Hintergrund, die Gesundheitsversorgung bekommen, die sie brauchen?
2. Prävention: Wie schaffen wir regionale oder lokale Strukturen, die Gesundheit stärken und Erkrankungen verhindern, bevor sie entstehen, körperlich wie psychisch?
3. Zusammen wirken: Wie verbinden wir das, was heute nebeneinander steht? Hausarztpraxis, Gesundheitsamt, Pflegestützpunkt, Schule, Psychotherapie, Kinder- und Jugendhilfe, damit sektorenübergreifende Präventions- und Behandlungspfade entstehen.
Vorbilder
Die folgenden Felder zeigen, welche Bandbreite möglich ist. Sie sind keine Blaupausen, sondern Inspiration. Kreative eigene Ansätze sind ausdrücklich willkommen.
Lotsen schaffen, Brücken bauen
Die Gemeindeschwester Plus (Rheinland-Pfalz) entsendet proaktiv Gemeindeschwestern zu älteren Menschen in strukturschwachen Regionen – ohne Auftrag, ohne Rezept, einfach um da zu sein. Das Modell verhindert Vereinsamung und vermeidbare Krankenhausaufenthalte und wird inzwischen in mehreren Bundesländern adaptiert. Ähnlich funktioniert der Gesundheitskiosk Hamburg-Billstedt: Mehrsprachige Fachkräfte beraten niedrigschwellig zu Prävention und Sozialleistungen mit messbarer Wirkung bei der Reduktion von Notaufnahmen-Besuchen.
Prävention vernetzen: Mentale Gesundheitsregion werden
Communities That Care (CTC) unterstützt Kommunen mit einem evidenzbasierten System: Eine Kinder- und Jugendbefragung ergibt ein lokales Risikoprofil, aus dem passgenaue Präventionsprogramme ausgewählt werden – verankert in einer sektorübergreifenden Lenkungsgruppe. Bereits über 55 deutsche Kommunen arbeiten damit. Der Landkreis Neu-Ulm zeigt mit seiner »Gesundheitsregionplus", wie mentale Gesundheit zur dauerhaften Querschnittsaufgabe wird: Kommunalpolitik, Kassenärztliche Vereinigung, Psychotherapeutenkammer, Volkshochschule und Universität arbeiten gemeinsam – nicht als Einzelprojekt, sondern als feste Kooperationsstruktur mit politischer Steuerung.
Schule als Gesundheitsort
Schools for Future (Stuttgart) verzahnt Schulsozialarbeit, Kinder- und Jugendhilfe und Schule systematisch. Neun Modellschulen arbeiten in den Feldern Gewaltprävention, psychische Gesundheit sowie Inklusion eng zusammen – wissenschaftlich begleitet und mit konsequenter Einbeziehung von Schüler:innen, Eltern und Lehrkräften. Das Stuttgarter Jugendamt zeigt damit, wie eine Kommunalbehörde zum aktiven Gestalter präventiver Infrastruktur wird.
Hausarztmangel aktiv begegnen: kommunales MVZ
Als die letzten Hausarztpraxen in der Region zu schließen drohten, gründete die Stadt Bernau bei Berlin ein kommunales MVZ – eines der ersten in Deutschland. Heute ist das Ärztehaus Bernau Vorbild für viele andere Kommunen: Man muss nicht warten, bis das Land oder die Kassenärztliche Vereinigung handelt.
Begleitet wird der Werkraum von Vanessa Gstettenbauer und Cornelius Golembiewski aus dem Team der Mental Health Alliance.
Vanessa Gstettenbauer ist Mission Lead der Mental Health Alliance. Sie setzt sich für ein vernetztes, gestuftes und bedarfsorientiertes System ein, in dem Hilfe früh und einfach verfügbar ist. Cornelius Golembiewski ist Arzt und Health Policy-Experte (MSc Health Policy, London School of Economics) und verantwortet im Team der MHA das Projektmanagement mit Schwerpunkt auf Systemgestaltung und kommunale Modellregionen.
Hinter dem Team steht ein breites Netzwerk an Unterstützer:innen und Fachexpert:innen aus Gesundheitsversorgung, Kommunen, Krankenkassen, Zivilgesellschaft und Politik, die punktuell in die Arbeit im Werkraum einbezogen werden können.
Bewerbt Euch
Bei der Bewerbung geht es nicht darum, dass Euer Vorhaben ausgereift oder innovativer ist als andere. Vielmehr ist uns wichtig, dass Ihr motiviert seid, gemeinsam mit Eurer Gruppe an Lösungen zu arbeiten und voneinander zu lernen.
Anmeldeformular bis 31. Mai: Erzählt uns über Euer geplantes Vorhaben in unserem kurzen Anmeldeformular. Gerne bald, denn die zweite Bewerbungsrunde findet bereits im Mai statt.
Kennenlerngespräche 15. Mai bis 12. Juni: Wenn Euer Vorhaben überzeugt hat, laden wir Euch zu einem kurzen digitalen Kennenlernen ein. Dabei klären wir gegenseitige Erwartungen und offene Fragen.
Teilnahmebestätigung bis 16. Juni: Anfang Juni koordinieren wir die Zusammensetzung der Werkräume und geben Dir bis Bescheid, ob Du dabei bist.